He-He-Laa-Laa, Mö-Mö, Moos-Moos (Geld, Geld), Brumm-Brumm, Miau-Miau, Prost-Prost, Göd-Aus (was soviel wie kein Geld bedeutet), Mai-Mai Sau Sau (Maischwein oder mein Schwein). Na, wer von euch hat schon mal solche lustigen Faschingsrufe gehört? Also ich muss zugeben, ich hätte bei manchen davon gedacht, dass jemand nur seinen Kühlschrank imitiert.
In Niederösterreich ist der Narrenruf ebenso vielfältig wie die Auswahl in einem Eisladen. Aber das ist nicht nur hier so, das geht quer durch Österreich und weite Teile von Deutschland. Sogar in Ostbelgien und den Niederlanden wird kräftig gerufen, dort allerdings überwiegend einheitlich. Die Fasnacht ist wirklich so eine Art internationales Stimmungshoch (wobei international mit Vorsicht zu genießen ist, eine Faschingsländer-Landkarte existiert bis dato nicht), und das, obwohl jeder sein eigenes „Hee-Haa“ hat.
Die Schweiz macht da übrigens auch mit, aber die schreiben „Fasnacht“ wie vor 1000 Jahren „Vasnacht“. Gut, die haben ja seit 800 Jahren Frieden, warum sollte sich diesbezüglich etwas ändern. Das Spannende ist, dass bei denen der Fasching erst nach unserem Aschermittwoch – dem Faschingsende – startet, als wäre es ein verspätetes Faschings-Upgrade. Upgrade passt perfekt zur Schweiz. Der Aschermittwoch ist auch der Startschuss für den Karneval in Rio, wenn bei uns schon alles vorbei ist. Dann geht’s aber so richtig los – mit Sambaschulen und allem Drum und Dran
Für jeden der in Amerika war ist klar, dort gibt es keinen Fasching, die sind faschingslos, als kleines Trostpflaster gibt es sehr begrenzt regional Mardi Gras (Fetter Dienstag) am Faschingsdienstag, also komplett korrekt und so wie in Österreich, am Tag vor Aschermittwoch. Dort ist gesichert davon auszugehen, dass Fasching von den Katholiken importiert wurde und die Franzosen das Treiben mit dem Boeuf Gras (Fetter Ochse) bereicherten. Hierzulande hätte ich aber noch keinen geschmückten fetten Ochsen zum Ende des Faschings gesehen, das heißt, umgangssprachlich natürlich schon, fett kann ja in Österreich auch dick und betrunken bedeuten und Ochse ist im Raum Wien ein gängiges Kosewort.
In Kapstadt machen sie das ganz anders. Die haben zwar auch keinen Narrenruf, tragen aber bunte Kostüme beim Cape Town Minstrel Carnival. Keine Masken, nur gute Laune – erinnert fast ein bisschen an Mardi Gras, oder? Und in der Karibik feiert jede Insel ihre eigene Faschingsparty.
Und dann haben wir die Rheindörfer Köln und Basel, die sich so richtig ins Faschingsgetümmel stürzen. Aber wisst ihr was? Es gibt so gut wie keinen Faschingstourismus! Kaum zu glauben, oder? Vielleicht sollten wir mal ein paar Faschingsreisen organisieren, damit die Leute sehen, was sie verpassen. Auf jeden Fall sollte man den Imster Schemenlauf buchen, der nicht jedes Jahr stattfindet und die mysteriöseste von allen mir bekannten Faschings-Parties ist.
Ich durfte übrigens zweimal die Basler Fasnacht erleben – Insiderwissen pur, Leute! Und ich wurde sogar in die Barbara-Clique eingeladen, einer der ältesten Fasnachts Cliquen in Basel. Ihr könnt euch vorstellen, wie cool das ist!

















Aber Moment mal, in meiner Heimatstadt Baden haben die Narren keinen Narrenruf. Die sind wohl eher still vom Wein und Schwefeldunst. Ich kann mir schon vorstellen, wie die klingen würden: „Gluck-Gluck, Sprudel-Sprudel“. Okay, das klingt jetzt nicht so lustig, aber hey, jeder Ort hat eben seinen eigenen Faschingsvibe.
Apropos Vibe, mein Großvater war Künstler – nebenbei natürlich. Sein künstlerischer Nachlass wartet schon seit gefühlten 100 Jahren darauf, entdeckt zu werden. Ich habe ein paar seiner Bilder für meine eigenen Zwecke verwendet, aber jetzt, dank Midjourney, bekommt sein Werk ein richtig modernes Makeover (vorerst noch unsigniert, aber dankenswerterweise sind die Originale signiert und datiert). Ich werde auch selbst wieder malen, keine Sorge. Ich habe aber jedoch keine Berührungsängste, was neue digitale Möglichkeiten betrifft. Hier ist ein Originalplättchen

und das Leitbild dieses Artikels ist ein Eigenprompt in Midjourney (ebenso jenes in der englischen Version dieses Artikels). Ich finde es spitzenmässig interpretiert. Gut, der Mangel an der Spritze ist meine Schuld. Aber wie erklärt man einem Bot eine metallische Spritze, die benutzt wird, um die Leute aufzuwecken? Nicht aufs Herz (das könnte aber so manch einer auch brauchen), sondern auf die Schuhe – nur so als Faschingsweckruf!
In Ostösterreich ist das wohl aus der Mode gekommen, deshalb gibt es hier so viele Schläfer. Die genetische Disposition ist wohl durcheinandergekommen. Die Armen sind seit Hunderten von Jahren im Fasching aufgeweckt worden, und jetzt wissen sie nicht mal mehr, warum sie so gerne feiern. Die suchen genetisch nach dem Weckruf und kein Befugter weckt sie auf. Andere wieder wurden permanent geweckt, auf ewig putzmunter, ist sicher auch anstrengend.
Ich habe hier auch noch ein paar süße Plättchen mit Perchtenlaufmotiven aus Imst von 1949 (auch mit österreichischen Trachtenmotiven, ähnlich dem Almdudlerpärchen, das aber jünger als die Werke meines Großvaters ist). Klingt fast wie ein Schatz, oder? Mein Großvater hat die Motive auf Schiefer, Eternit oder vielleicht auch auf einer Pappe gemalt, die heute keiner mehr kennt. Dazu hat er passende Rahmen selbst gemacht. Der hat echt an alles gedacht.
Aber mal ehrlich, gibt es einen Unterschied zwischen Fas(t)nacht, Fasching, Karneval, Schemenlauf und Perchtenlauf? Und warum habe ich in Niederösterreich nie was von einem Altfränkischen Spritzer und der Kübele Maja gehört? Ich meine, ich habe gemalte Plättchen als Beweis! Manchmal frage ich mich echt, was die Leute damals so getrieben haben.
Und warum treten die einen mit Krampus und Nikolo auf (Nikolo wird mir ewig ein Rätsel bleiben, da er ja das Leitbild von Santa Claus ist. Den gibt es in Österreich bekanntlich nicht, bei uns kommt das Christkind)? Immerhin hat da schon der offizielle Fasching (11.11.) begonnen. Aber halt, im Südwesten Deutschlands startet der Karneval noch immer am 6. Jänner – als wären sie auf einem anderen Faschingsplaneten. Tatsächlich sind in diesem Teilbereich der Wissenschaft 1000 Jahre nichts, und in der Wissenschaft ist da wohl seit 1000 Jahren nichts passiert (Anmerkung: mein Ohr spielt mir nicht angeordnet das Lied „Tausend mal ist nichts passiert“ vor). Viele feiern das Brauchtum, ohne zu wissen (was ohnehin die Essenz jedes Brauchtums zu sein scheint). Um 1000 n. Chr. wurde schon der 6. Januar als giperahta naht = leuchtende Nacht bezeichnet – da
haben sie wohl schon gefeiert, als gäb’s kein Morgen. Schiache (hässliche) und schiane (schöne) Perchten, Hexen bei Tag und Hexen bei Nacht – alles dabei.
In Italien fliegt La Befana auf der Suche nach dem Jesuskind und bringt Geschenke am 6. Januar. Aber die ist nicht schuld, dass sie zu spät dran war! Das Jesuskind ist schließlich am 24. Dezember geboren, und als sie die Nachricht am 6. Jänner (in Italien!) bekommen hat, ist sie sofort losgedüst mit dem Besen. Okay, den Stern hat sie verpasst, aber am 6. Januar feiert man trotzdem. In Italien ist halt alles ein bisschen anders. Es ist also recht und billig, dass am 6. Januar, Belfana und die Heiligen Drei Könige gefeiert werden. Etwas wage erscheint mir der Beginn des Weihnachtsfestes der orthodoxen Christen, ebenfalls am 6. Jänner, dies scheint an ihrem Kalender zu liegen, der den Tag von Christi Geburt 13. Tage verlegt. 13 ist im Übrigen in Italien eine Glückszahl, das ist wahrhaftig nicht so in anderen EU Ländern.
Apropos anders: Geradezu entösterreichischt fühlt man sich angesichts des nicht unwesentlichen Nichtwissens, das auch schulisch nicht zur Sprache kommt. Da laufen alle einem Faschingszug hinterher (rätselhaft ist mir bis heute, wer Faschingsprinz und -prinzessin eigentlich wählt und warum mir die Gemeinde keine Wahlkarte schickt) und keiner hat eine Ahnung. Genauso wie in der Politik möchte man meinen. Und die, die es Wissen sollten, die Wissenschafter streiten wer recht hat oder beharren auf ihrer Ansicht, obwohl der, gegen dessen Meinung sie opponieren längst dahingeschieden ist. Aber die Welt will die Probleme in Palästina, der Ukraine oder sonst wo lösen, obwohl sie gar nicht wissen welche Maske sie aufhaben (oder aufhaben zu haben haben) oder nachlaufen. Außerdem gibt es die Frage nach dem Maskenrecht zu klären. Darf jeder eine sichtbare oder unsichtbare Maske tragen (Vermummungsverbots-Ausnahmeregelung) oder braucht es dazu eine Berufung. Womit wir unweigerlich bei der Frage „Was haben die Burschenschaften“ mit dem Fasching zu tun angelangt sind, und mit dieser einhergehend die Frage „Sind alle andern (außerhalb der Burschenschafter) einfaches Naturvolk?
Nein, alles, was Recht ist, in das Maskenbusiness muss mehr Ordnung. Ich sage euch, der Schlüssel – jetzt bei den Narren – liegt in der zügigen Ordnung und Übersichtlichkeit des Narrenwesens und Information an das Naturvolk bzw. Naturvölker. Generell ist festzustellen, Probleme lösen sich am besten ohne Maske (damit sie wissen, welche Richtung sie einschlagen) und ich stelle einen akuten Mangel an befugten Maskensehern fest.
Fast vergessen 😉 Ah, hier ist Carnivale (2. Hierachie), der verschmitzte Prinz der Mächte! Er liebt es, Leute zu verführen und ein bisschen Schabernack zu treiben, aber keine Sorge – Johannes der Evangelist ist zur Stelle, um seine Streiche mit einer Prise göttlicher Intervention zu vereiteln. Es ist ein Showdown zwischen Versuchung und Tugend, mit einer Prise Humor und Eleganz als Bonus!
Empfohlene weiterführende Literatur: Wenn du herausfinden möchtest, wie man Faschingsschläfer in Ostösterreich weckt, dann
a) lies am besten „Die geheime Kunst der Faschingsbeschwörung“ – mein ungeschriebenes Meisterwerk der Faschingsliteratur!
b) Iss Fisch und gib dich dem Liebeszauber am 14. Februar hin (heuer gleichzeitig Rollmops und Rosen und Aschermittwoch-Tag)
c) https://diglib.uibk.ac.at/download/pdf/4421113?name=Brauchtum%20in%20Tirol%201938%201955
https://diglib.uibk.ac.at/download/pdf/1681862?name=Anhang
https://www.fasnacht.at/Spritzer_1
(hier ein Fehlerchen, den der Spritzer verteilt keine Bretzel, das ist die Aufgabe von Scheller und Roller, die ich ebenfalls als kleine Bilder habe).
d) halte Ausschau nach den Hasen
e) vergiss nicht dass bald das Jahr des blauen Holzdrachens ist und heuer besonders viele Sonnenstürme zu erwarten sind. Fokus, Fokus, Fokus und kein Hokus Pokus. Wenn schon Zauber dann Abrakadabra









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